Forum: „Moerser Stadtgespräche“

Geplante Einkaufszentren: Ist Moers in Gefahr? (3002 Klicks)

Ich denke, hierbei handelt es sich um das richtige Forum:

Ein interessanter Zeitungsartikel:

Moers ist in Gefahr

VON DIRK MÖWIUS - zuletzt aktualisiert: 31.01.2012 Moers (RP). In einem einzigartigen gemeinsamen Appell zur Stadtentwicklung fordert die Wirtschaft den Rat auf, überparteilich zu denken und sich nicht von Investoren treiben zu lassen. Die geplanten Center seien zu groß.

Großer Aufmarsch im Haus des Einzelhandels in Vinn: Neben dem Gastgeber, dem Einzelhandels- und Dienstleistungsverband Niederrhein, luden auch die Industrie- und Handelskammer, die Kreishandwerkerschaft, die Aktivgemeinschaft Moers, der Initiativkreis und die Volksbank Niederrhein zum Pressegespräch.

Hinter dem trockenen Titel "Gemeinsame Erklärung für eine verlässliche und zukunftsfähige Innenstadtentwicklung" verbirgt sich ein einzigartiger gemeinsamer Appell. Die Vertreter der Moerser Wirtschaft fordern den Rat auf, in Sachen Stadtentwicklung überparteilich und langfristig zu denken und sich nicht von Investoren treiben zu lassen.

Aufhänger sind die Planungen für die Grafen-Galerie im Bereich Horten und die möglichen Entwicklungen am Königlichen Hof. Die Quadratmeterzahlen, die für neue Verkaufsflächen in den neuen Centern geplant sind, machen den Experten Angst. Sie fürchten um die Altstadt und die Einkaufsstadt Moers insgesamt. Ulrich Kleier erläuterte, dass Moers heute mehr Verkaufsfläche pro Einwohner als andere Städte bietet. Von 1992 bis 2010 sei das Angebot im gesamten Stadtgebiet von 143 0000 auf 190 000 Quadratmeter gewachsen.

Das seien 1,76 pro Einwohner. Duisburg als Oberzentrum komme auf 1,33, der Bundesdurchschnitt liege bei 1,33. "Mit den neuen Projekten wird Moers einen Wert von über zwei erreichen", warnt Wilhelm Bommann, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes. Die fast 30 000 neuen Quadratmeter, die im Gespräch sind, müsse man im Bezug zur Innenstadt sehen. Das seien 50 Prozent der Fläche, die bisher in der gesamten Innenstadt genutzt wird. Die Folge werde ein Verdrängungswettbewerb sein, das Opfer wären die Stein- und Neustraße sowie die Altstadt. Und gerade das seien die Moerser Alleinstellungsmerkmale.

Quelle: [www.rp-online.de]

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Meine Sicht der Dinge:

Ich bin Duisburg und in der Duisburger Stadtentwicklung verhaftet, was mir einen relativ nüchternen und unvoreingenommenen Blick auf die Situation in Moers erlaubt: Die Beseitigung des großen und langfristigen Leerstandes im ehemaligen C & A - und Hortenhaus durch Realisierung der Grafengalerie mag ein wichtiges politisches Ziel sein. Ebenfalls ist festzustellen, dass die Homberger Straße trotz Aufwertung des Bahnhofs Moers im Abschnitt Kreuzung Hombergerstraße / Klever Straße bis zum Kreisverkehr derzeit ins Bodenlose fällt (Leerstände, Qualität der vorhandenen Ladenlokale). Von der Grafengalerie könnten positive Impulse für dieses Umfeld ausgehen. Weiterhin soll -wenn ich richtig informiert bin- die Grafengalerie nach Modifizierung der ursprünglichen Pläne nicht mehr wie ein Sperrriegel errichtet werden, sondern den Weg in die Innenstadt offen lassen.

Aus Moerser Sicht wichtiger noch als diese Aspekte erscheinen mir die Nachteile zu sein, die aus der Grafengalerie erwachsen würden. Ich kann mich teilweise der Argumentation der Kritiker anschließen und würde eine Lösung am Königlichen Hof befürworten. Beide Projekte (Stadtquartier am Kö und Grafengalerie) sind für Moers eindeutig überdimensioniert und gefährden die verbliebenden Strukturen auf der Steinstraße und der gesamten Altstadt. Ich verweise insoweit nur auf die in dem Zeitungsartikel zitierten Zahlen. Das wäre für Moers einfach zu viel.

Ich gebe zu bedenken, dass man sich durch Einkaufszentren vieles kaputt machen kann und verweise insoweit nur auf Siegens einst schöne und florierende Oberstadt, die zu einer Geisterstadt wurde.

Die Grafengalerie wäre am Standort des ehemaligen Horten-Gebäudes nicht mehr homogener Bestandteil der gewachsenen Innenstadt, sondern ein entferneter und konkurrierender Gegenpol.

Das Stadtquartier am Kö läge wesentlich günstiger. Vorhandene Strukturen könnten in der Architektur des Stadtquatiers durch Schaffung von offenen Gassen aufgegriffen werden. Im besten Fall gelingt eine beiderseits fruchtbare Anbindung an die Altstadt. All das ist möglich. Im allerbesten Fall beraubt sich Moers nicht seiner durchaus prägnanten Identität durch eine in jeder Stadt vorfindbare neue Einkaufsmall, sondern stärkt das bereits bestehende Alternativmodell.

Das Areal am Kö erscheint mir relativ groß. Etwa 10.000 bis 15.000 qm Einzelhandelsfläche erscheinen mir sinnvoll. Mit weniger als 10.000 qm sollte nicht rumgekleckert werden. Von der Grafengalerie sollte man sich endlich verabschieden. Das wäre der Tod der bisherigen Innenstadt.

Auch wenn in der Nachbarschaft viel passiert und das Hortengebäude seit Ewigkeiten leer steht: Moers, verliere nicht die Nerven und bleibe dir selbst treu!

Meine Antwort auf die eingangs gestellte Frage: Ja, Moers ist in Gefahr!

Beitrag von Ernst vom 01. Februar 2012 11:17

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